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Sylke war schon einmal mit ihren Freundinnen in Regensburg und fand die Stadt so toll, dass wir unbedingt noch einmal hinmüssten, meinte sie. Ich war noch nie da. Also: gesagt, getan. Von Nürnberg ging es nach Regensburg – und damit zur vorletzten Station unserer Rundreise. Die letzte war dann Backnang, aber das kennen ja sowieso schon alle.

Wohnen wie in einer ziemlich luxuriösen Bauernstube

Untergekommen sind wir etwas ungewöhnlich im Andreasstadel, einem Ableger der Orphée Hotels in Regensburg. Unser Zimmer war riesengroß und eingerichtet wie eine Bauernstube – allerdings eine ziemlich komfortable. Dazu eine eigene Terrasse, auf der wir wunderbar sitzen, frühstücken oder den Tag ausklingen lassen konnten.

Das Zimmer war riesig, komfortabel und mit Terrasse. Außerdem angenehm kühl auch ohne Klimaanlage bei 36 Grad draußen.

Sehr angenehm. Wenn auch ein bisschen hochpreisig. Dafür gab es morgens ein ausgezeichnetes Frühstück aufs Zimmer. Da kann man nicht meckern.

Mit allem was das Herz begehrt, liebevoll angerichtet. Wir hätten auch die Müsli Variante haben können, aber die haben wir abgewählt.

Regensburg – eine Puppenstubenstadt aus dem Mittelalter

Am ersten Abend sind wir einfach losgelaufen. Und ich verstand ziemlich schnell, warum Sylke unbedingt noch einmal hierher wollte. Regensburg ist eine echte Puppenstubenstadt aus dem Mittelalter. Kleine Gassen, alte Häuser und an jeder Ecke irgendetwas zu entdecken. Dass die Altstadt zum UNESCO-Welterbe gehört, wundert einen nach den ersten paar hundert Metern nicht mehr. Und dann natürlich der Dom.

Der Dom St. Peter prägt das Stadtbild seit 750 Jahren. Allerdings hat es fast 600 Jahre gedauert, bis er mit beiden Türmen fertig war. Stuttgart21 ist dagegen sowas von im Plan!

Der Regensburger Dom ist eines dieser Bauwerke, bei denen man davorsteht und erst einmal nach oben schaut. Und noch weiter nach oben. Beeindruckend und steinalt.

Danach noch zur Steinernen Brücke, ein Blick auf die Donau und anschließend auf unsere Terrasse. Mehr musste am ersten Abend gar nicht sein.

Befreiungshalle – wo kommt die denn plötzlich her?

Am nächsten Morgen ging es rund 30 Kilometer mit dem Auto nach Kelheim zur Befreiungshalle. Ich wusste nicht einmal, dass es so etwas gibt! Natürlich kannte ich aus diversen Büchern die Geschichte der Befreiungskriege gegen Napoleon. Aber es ist etwas anderes, an einem Ort zu stehen, an dem diese Geschichte in ein riesiges Monument übersetzt wurde.

König Ludwig I. von Bayern ließ die Befreiungshalle zur Erinnerung an die Siege über Napoleon errichten. Das Ganze ist monumental, sicherlich auch ein bisschen übertrieben – aber eben genau so, wie man im 19. Jahrhundert Geschichte, Nation und Heldentum inszenierte.

Ich hätte dieses Bauwerk an dieser Stelle nicht erwartet und fand es spektakulär.

Klare Empfehlung, sollte man sich anschauen, wenn man in der Gegend ist.

Zu Fuß zum Kloster Weltenburg – und mit der Zille durch den Donaudurchbruch

Von der Befreiungshalle hat man einen großartigen Blick über das Donautal. Und damit war eigentlich schon klar, wie es weitergehen musste. Denn von oben sieht man den Beginn des Donaudurchbruchs bei Weltenburg. Das Kloster Weltenburg ist von Kelheim aus ungefähr eine Stunde zu Fuß entfernt.

Also los. Der Weg führt durch Buchenwald und vorbei an alten keltischen Befestigungswällen.

Irgendwann kommt die Donau mit Blick auf das Kloster – und auf die andere Seite mussten wir auch noch. Eigentlich hätten wir rüber waten können so niedrig war der Wasserstand, laut Bootsführer der niedrigste jemals gemessene.

Die Überfahrt wird dann mit einer Zille (einem flachen Kahn, heute mit Außenborder, früher mit Stangen zum staken) erledigt. Wegen des extremen Niedrigwassers war eine normale Schifffahrt nicht möglich. Im Nachhinein fanden wir unsere Variante sowieso viel schöner.

Im Kloster Weltenburg haben wir im Klosterhof gut gegessen und natürlich auch das berühmte Weltenburger Bier probiert.

Ein Schmuckstück! Die Kirche ist dem heiligen Georg geweiht und ein Meisterwerk des Barock.

Was soll man sagen?

Absolut empfehlenswert! Also beides: Kloster und Bier.

Und weil wir schon einmal da waren, ging es anschließend mit der Zille durch den Donaudurchbruch zurück zum Ausgangspunkt für unseren Rückweg. Beeindruckende Landschaft, ein kleines Boot mitten auf der Donau zwischen imposanten Felswänden – und das Ganze für fünf Euro pro Person.

Der Zilleführer hat uns allerhand zu den Felsen links und rechts erzählen können. Alle haben irgendwelche Namen und Geschichten, von der steinernen Jungfrau bis zu den drei fremden Brüdern. Gemerkt haben wir es uns…leider nicht.

Kann man machen. Sollte man sogar.

Walhalla – Ludwig I. hatte offensichtlich Großes vor

Am nächsten Morgen wieder Frühstück aufs Zimmer und danach der nächste Ausflug. Diesmal zur Walhalla bei Donaustauf.

Das Ganze entstand in einer Zeit, in der der Wunsch nach einer deutschen nationalen Einheit immer stärker wurde. Ludwig I. setzte ihm gewissermaßen einen steinernen Tempel hin.

Und wieder ein Bauwerk, das der gute Ludwig I. initiiert hat. Und wieder eines, das ich nicht so richtig auf dem Schirm hatte. 1842 wurde die Walhalla eröffnet. In ihrem Inneren stehen Büsten bedeutender Persönlichkeiten, die als Vorbilder für den deutschsprachigen Kulturraum angesehen wurden – Herrscher, Wissenschaftler, Künstler, Schriftsteller und Musiker.

Einige der Berühmtheiten würden sich sicherlich im Grab umdrehen angesichts der orthografischen Fähigkeiten der nachfolgenden Generationen.
Die Auswahl der Geehrten blieb natürlich nicht im Jahr 1842 stehen. Inzwischen findet man dort beispielsweise auch Albert Einstein und Sophie Scholl. Und Sylke Vock, allerdings live zum Glück .

Ob man die Idee hinter der Walhalla nun großartig findet oder nicht: Das Gebäude, seine Lage über der Donau und seine Geschichte sind beeindruckend.

Mehrere sehr wichtige Tafeln weisen auf die „Blühwiese für den Artenschutz“ vor der Walhalla hin. Und dass man sie bitte nicht betreten soll.

Jenseits von Orthografie und Artenschutz gilt auf jeden Fall: hinfahren. Auch gerne, wenn die Donau wieder Wasser hat mit dem Boot ab Regensburg.

Haxe, Stadtgeschichte und das beste Eis unseres Tests

Zurück in Regensburg musste erst einmal etwas gegessen werden. Wir landeten im Spitalgarten. Die Haxe dort war in Geschmack und Konsistenz einfach nur großartig und die Kruste super knusprig. Wie immer man sowas auch hinbekommt. Wer so etwas mag: Empfehlung.

Anschließend wollten wir noch etwas mehr über Regensburg erfahren. Diesmal allerdings ohne klassischen Stadtführer. Stattdessen haben wir die Stadtführung mit der App Lauschtour gemacht.

Beeindruckt waren wir von den vielen mittelalterlichen Winkeln und Gassen die fast im Original erhalten sind. Ganz anders als in Nürnberg.
Und es gab noch eine Alterssteigerung: Die Überreste der Porta Praetoria aus dem 2. Jhd. Ein Tor der römischen Befestigungsanlagen zum Schutz vor den Barbaren.
Der goldene Turm in der Altstadt ist einer der erhaltenen Geschlechtertürme (es gab davon mal 60 in Regensburg) und wurde um 1250 erbaut. Die Patrizierfamilien zeigten mit der Höhe der Türme ihren Reichturm an. Sonst waren die Dinger zu nichts nutze.
Auch die steinerne Brücke sollte im Mittelalter allen zeigen: Regensburg ist reich! Denn normalerweise wurden Brücken aus Holz gebaut.

Die App ist sehr gut gemacht, kurzweilig und informativ. Man läuft im eigenen Tempo durch die Stadt, bekommt die Geschichten dazu erzählt und kann stehenbleiben, wo man möchte.

Hat uns gefallen.

Danach musste natürlich noch wissenschaftlich geklärt werden, wo es das beste Eis gibt. Wir haben immerhin drei Eisdielen ausprobiert. Unser Sieger: das Stella Eiscafé direkt an der Steinernen Brücke. Affogato-Eis mit Espressocreme und eine Sicily Eisvariation. Sehr, sehr lecker.

Danach zurück auf unsere Terrasse. Man muss es mit dem Kulturprogramm schließlich auch nicht übertreiben.

Unser Fazit: Lohnt sich Regensburg?

Definitiv.

Regensburg ist eine wunderschöne mittelalterliche Stadt, in der es praktisch an jeder Ecke etwas Interessantes zu entdecken gibt. Man kann einfach loslaufen und landet zwangsläufig vor irgendeinem Haus, einer Kirche, einem Platz oder einer Gasse, die man sich genauer anschauen möchte. Fast noch besser hat uns gefallen, was rund um Regensburg liegt. Befreiungshalle, Donaudurchbruch, Kloster Weltenburg und Walhalla lassen sich wunderbar mit der Stadt verbinden. Vieles davon könnte man auch mit längeren Wanderungen erschließen. Das haben wir diesmal nicht gemacht.

Beim nächsten Mal machen wir so etwas bestimmt!

Dazu gutes Essen, unglaublich viele Brauereien, leckeres Eis und freundliche Menschen. Sylke hatte also recht.

Nach Regensburg mussten wir unbedingt einmal zusammen. Und vermutlich müssen wir noch einmal hin.

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