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Unsere Südafrika-Reise, Teil 6: Oudtshoorn, Cango Caves und ein Vogel mit Interesse an Schmuck.

Von der grünen Küste ins trockene Hinterland

Gerade noch waren wir an der Garden Route unterwegs, zwischen üppigen Wäldern, wilden Küsten und einem Wasserfall, der uns mehr Anstrengung als Begeisterung abverlangt hatte. Jetzt änderte sich die Landschaft schon wieder.

Von George ging es ins Landesinnere, Richtung Oudtshoorn. Nicht ohne vorher noch den laut William tollsten Supermarkt Südafrikas zu besuchen: den SuperSPAR in George.

Unglaublich, aber auch unglaublich günstig. Fleisch in allen Formen ist ein Hauptnahrungsmittel in Südafrika

Und der hat selbst uns umgehauen. Gefüllte Baguettes und Sandwiches in Formaten, bei denen eines für eine ganze Familie gereicht hätte. Zum Preis eines Wurstbrots. Dazu gefühlt 50 Meter lange Theken mit Käse, Fleisch und Wurst und allem, was man sonst noch essen kann. Überfluss, wie man ihn sich kaum vorstellen kann.

Aber dann, trotz all dieses Überflusses, wieder die Townships am Straßenrand, die eine ganz andere Sprache sprechen.

Vor und nach fast jeder Stadt sahen wir solche Siedlungen. Der Kontrast zum Überfluss in den Supermärkten hätte kaum größer sein können.

Die Kleine Karoo empfing uns mit Bergen, weiten Tälern und einer deutlich trockeneren Landschaft. Nach all dem Grün an der Küste war das ein ziemlicher Kontrast, der allerdings durch den wochenlangen Regen zuvor etwas abgemildert wurde.

Und natürlich gab es auch hier wieder Tiere zu sehen. Diesmal allerdings keine Elefanten, Löwen oder Giraffen.

Sondern Strauße.

Ein Vogel, der nicht fliegen kann. Aber Ohrringe mag.

Oudtshoorn gilt als Zentrum der südafrikanischen Straußenzucht. Damit wurde in den 1920er Jahren richtig viel Geld verdient. Nicht mit dem Vogel, auch nicht mit seinem Fleisch, sondern die Federn wurden mit Gold aufgewogen. Daher entstanden in Oudtshoorn die sogenannten Feather Palaces, Federpaläste, von denen heute noch einige zu sehen sind.

Teilweise waren die Häuser und ihre Dekorationen frisch renoviert oder gut in Schuss.

Natürlich mussten wir auch eine Straußenfarm besuchen, wo wir (fast) alles über die Tiere erfuhren. Strauße sind ziemlich merkwürdig: Sie haben lange Hälse, noch längere Beine und einen Körper, der aussieht, als hätte die Evolution beim Zusammenbau mehrere unterschiedliche Entwürfe kombiniert. Fliegen können sie nicht. Dafür laufen sie ziemlich schnell.

Auch bei der Familienplanung sind Strauße ungewöhnlich. Mehrere Weibchen legen ihre Eier in ein gemeinsames Nest. Dort liegen mitunter deutlich mehr Eier, als tatsächlich ausgebrütet werden können. Überschüssige Eier werden deshalb aus dem Nest gerollt.

Und dann gibt es eine bemerkenswerte Arbeitsteilung: Tagsüber brütet das braune Weibchen, nachts übernimmt das schwarze Männchen. Tarnung ist schließlich auch bei der Kinderbetreuung hilfreich.

Hübsch sind sie nicht und ihr Gehirn ist gerade mal so groß wie eine Walnuss. Also es ist nicht wirklich viel dahinter.

Besonders angetan hatten es uns die Straußenküken. Neugierig, wuselig und mit einem Gesichtsausdruck, der irgendwo zwischen „Was ist das?“ und „Kann man das essen?“ liegt.

Hier ist der Film dazu.

Bei den ausgewachsenen Exemplaren wurde die Sache etwas persönlicher.

Einer der Vögel interessierte sich nämlich ausgesprochen für Sylke. Genauer gesagt: für ihren Ohrring. Offenbar hatte er beschlossen, dass dieses kleine glitzernde Ding vielleicht ein besonderes Maiskorn sein könnte, das man unbedingt kosten sollte.

Sylke sah das verständlicherweise etwas anders. Zum Glück ist alles gut gegangen. Sonst hätten wir drei Tage später zurückkommen müssen, um den Ohrring in der Straußentoilette zu suchen.

Den Film dazu gibt es hier.

Die Cango Caves – eine andere Welt

Nach den neugierigen Vögeln ging es unter die Erde. Die Cango Caves gehören zu den bekanntesten Tropfsteinhöhlen Südafrikas. Von außen lässt sich kaum erahnen, was einen dort erwartet.

Unglaublich diese Tropfsteine. Das kalkhaltige Wasser hat durch die Sandsteindecken Wunderwerke entstehen lassen. Manche davon sind 500.000 Jahre alt und älter.

Drinnen öffnet sich eine Welt aus gewaltigen Hallen, Stalaktiten und Stalagmiten. Über unvorstellbar lange Zeiträume hat Wasser hier Formen geschaffen, die manchmal wie Skulpturen, manchmal wie Vorhänge und manchmal wie die Kulisse eines Fantasyfilms aussehen.

Man steht davor und fragt sich, wie viele Tropfen Wasser wohl nötig waren, um so etwas entstehen zu lassen.

Die Antwort lieferte uns eine freundliche, deutschsprachige Höhlenführerin: In hundert Jahren wächst so ein Stalaktit gerade einmal um 1,7 Millimeter, erklärte sie.

Dann gab sie gleich noch eine Kostprobe der ungewöhnlichen Akustik der Höhlen. Sie schmetterte „In the Jungle …“ – und schaltete das Licht aus.

Ohne zu ahnen, dass das für Sylke das absolute rote Tuch ist: ein Raum ohne Licht.

Gut, es kam nur ein bisschen Panik auf. Aber wir waren beide froh, als wir wieder oben an der frischen Luft waren.

Nach den offenen Landschaften der Kleinen Karoo war diese unterirdische Welt jedenfalls eine weitere Überraschung.

Diese mächtige Säule Stalaktiten und Stalagmiten (die einen wachsen von unten, die anderen von oben) war über 8 Meter hoch.

Thabile Lodge – ein Platz irgendwo im Nirgendwo

Unsere Unterkunft in der Kleinen Karoo war die Thabile Lodge.

Nach den vielen Kilometern, Tierbeobachtungen und Besichtigungen hatten wir uns auf eine einladende Lodge gefreut. Ein bisschen entspannen, es uns gut gehen lassen und den Tag gemütlich ausklingen lassen.

Aber William hatte die Unterkunft wohl vor allem deshalb ausgesucht, weil es hier angeblich das beste und frischeste Straußenfilet Südafrikas gibt.

Das gab es auch. Aber sonst war der Ort eher: verlassen. Und verlassen haben wir ihn gleich am nächsten Morgen.

War eher nicht so unsere Wahl aber sehr ruhig die Lodge.

Weiter ging die wilde Hatz

Vorbei an den Swartbergen, durch die Ebenen der Kleinen Karoo und über die Pässe ging es weiter durch Calitzdorp und schließlich zu Ronnie’s Sex Shop.

Der Outeniqua-Pass wird bewacht von einem alten holländischen Fort.

Ein Laden irgendwo im Nirgendwo, der ursprünglich nur „Ronnie’s Shop“ hieß und praktisch keinen Umsatz machte. Bis eines Nachts ein paar Freunde von Ronnie auf die Idee kamen, einfach das Wörtchen „Sex“ auf das Schild zu malen.

Am nächsten Tag war der Parkplatz voll.

Völlig unspektakulär, aber eine Institution. Der Verkausraum hängt voller signierter Bh´s aber es gibt nichts, aber auch gar nichts sonst was mit Sex zu tun hätte.

Das Angebot im Laden hat bis heute wenig mit Sex zu tun. Aber Ronnie’s Sex Shop ist längst eine Institution an der Route 62.

Und angeblich steht inzwischen sogar das ganze Anwesen zum Verkauf. Neun Millionen Dollar soll Ronnies Sohn dafür verlangen, erzählte William.

Ob das stimmt? Keine Ahnung. Aber wir wissen ja schon länger: Sex sells.

Südafrika hatte uns inzwischen ziemlich überzeugend vorgeführt, wie abwechslungsreich ein einziges Land sein kann.

Aber bevor es nach Kapstadt ging, wartete noch eine ganz andere Welt auf uns: Stellenbosch, das südafrikanische Weinland. Mit prächtigen Weingütern, eindrucksvollen Landschaften – und Gegensätzen, die uns nicht mehr losließen.

Im nächsten Teil: Stellenbosch – zwischen Weinbergen, Wohlstand und einer Wirklichkeit, die nicht ganz so idyllisch ist, wie sie auf den ersten Blick erscheint.

Weiter zu Teil 7: Stellenbosch – Zwischen Weinbergen und Wirklichkeit

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