Unsere Südafrika-Reise, Teil 5: Vom Addo Elephant National Park über die Garden Route bis nach Wilderness.
Im Land der Elefanten
Nach unseren Safaris im Norden Südafrikas hätten wir eigentlich behaupten können, inzwischen reichlich Erfahrung mit wilden Tieren gesammelt zu haben. Aber natürlich wollten wir noch mehr sehen. Schließlich lag der Addo Elephant National Park praktisch auf unserem Weg.
Von Gqeberha, das früher Port Elizabeth hieß und dessen neuen Namen wir erst einmal aussprechen lernen mussten, ging es in den Addo Elephant National Park.

Der Name verrät bereits, wer hier die Hauptrolle spielt. Und anders als manche tierischen Hauptdarsteller, die sich auf Safaris grundsätzlich hinter Büschen verstecken, lassen sich Elefanten durchaus gern blicken.

Es gibt Tiere, die machen es einem leicht, sie zu mögen. Elefanten gehören zweifellos dazu. Sie sind groß, grau, gelegentlich etwas faltig und bewegen sich mit einer Gelassenheit durchs Leben, die man sich selbst manchmal wünschen würde. Kleinere haben da schon ganz andere Probleme, denn von Gelassenheit keine Spur: Mist! Käferpech im Addo Nationalpark
Es ist jedes Mal beeindruckend, diesen gewaltigen Tieren zuzusehen. Wie sie scheinbar mühelos durch die Landschaft ziehen, miteinander umgehen und dabei eine Ruhe ausstrahlen, die angesichts ihrer Körpermasse fast unwirklich erscheint.






Jetzt wird es grün
Nach all den Savannen, Nationalparks und Tierbegegnungen änderte Südafrika sein Gesicht. Die Garden Route empfing uns mit Wäldern, Bergen, Flüssen und einer Küste, an der der Indische Ozean eindrucksvoll demonstriert, dass er nicht nur zum Baden da ist.
Im Tsitsikamma-Nationalpark wurde die Landschaft beinahe dramatisch. Dichte Vegetation, steile Felsen, Wasser und eine Küste, die so aussieht, als hätte jemand beim Landschaftsbau beschlossen, lieber etwas zu viel als zu wenig aufzutragen.

Besonders am Storms River treffen Urwald und Ozean aufeinander. Es ist eine jener Gegenden, in denen man alle paar Meter stehen bleibt, weil der nächste Ausblick wieder anders und mindestens genauso schön ist.



Plettenberg Bay, Knysna und die Sache mit den Aussichten
Weiter ging es entlang der Küste im Nebel über Plettenberg Bay nach Knysna. Plettenberg Bay ist die Heimat unseres Reiseführers William. Entsprechend viele Geschichten aus seiner Jugend gab er zum Besten. Hier sollte auch die tolle Walbeobachtungstour für schlappe 150 Euro pro Person stattfinden. Ok. Wir haben das mal sein gelassen, nicht weil man die Hand vor Augen nicht sehen konnte, sondern weil wir schon so viele Wale in der Antarktis gesehen haben. Stattdessen haben wir es uns in einem netten Café gemütlich gemacht und abgewartet.

Von Plettenberg ging es dann weiter die Küste entlang über eindrucksvolle Brücken nach Knysna.
Knysna ist ein beschaulicher Ort an einer Lagune, deren Zugang zum Meer von den Heads, zwei beeindruckenden Felsformationen, bewacht wird. Die britische Royal Navy bezeichnete diese Passage einst als die gefährlichste Hafeneinfahrt der Welt. Zahlreiche Schiffe sind hier an den Felsen gescheitert. Das ist schon ein bisschen gruselig, denn von oben gibt das Meer dieses Geheimnis nicht preis. Wie das aussieht, jetzt mit Sonnenschein seht ihr hier: Knysna Heads Hafeneinfahrt.
Wilderness: Der Weg ist das Ziel. Angeblich.
Von unserem wunderschönen Hotel Knysna Hollow Lodge Social, in dem es auch super leckeres Essen gab war es nur ein Katzensprung zum Half Collared Kingfisher Trail, einem ausgebauten Wanderweg zu dem gleichnamigen Wasserfall.
Das klang zunächst nach einer ausgezeichneten Idee. Ein bisschen Bewegung, viel Natur und am Ende ein Wasserfall. Was sollte da schon schiefgehen? Die Landschaft jedenfalls gab sich alle Mühe. Aber wie das so ist mit uns: Wir wollten nicht unbedingt mit der Reisegruppe gehen, und der Plan am Anfang des Trails zeigte einen ROT eingezeichneten kleinen Umweg über den Berg. Wir schauten uns an und hatten dieselbe Idee: Den nehmen wir.

Irgendwann führte unsere Unternehmung über Baumstämme und Steine. Was als gemütlicher Spaziergang begonnen hatte, entwickelte sich zunehmend zu einer kleinen Geschicklichkeitsprüfung.

Dabei waren wir uns nicht immer sicher, ob wir noch auf dem richtigen Weg waren. Aber solange es irgendwie weiterging, konnte man das ja als Abenteuer betrachten.

Schließlich erreichten wir den Wasserfall. Und da standen wir nun.

Sylke betrachtete ihn und erinnerte an die Iguazú-Wasserfälle, die wir auf einer früheren Reise gesehen hatten.
Das war natürlich ein ausgesprochen unfairer Vergleich. Wer einmal vor diesen gewaltigen Wassermassen gestanden hat, sollte einen südafrikanischen Waldwasserfall vielleicht nicht nach denselben Maßstäben beurteilen.
Sagen wir es so: Der Weg war eindeutig spektakulärer als das Ziel.

Ein Land mit erstaunlich vielen Gesichtern
Gerade noch Elefanten in der Savanne, wenig später Urwälder, wilde Küsten und eine Wanderung, bei der wir uns den schwierigeren Weg selbst ausgesucht hatten. Südafrika hatte uns wieder einmal überrascht.
Und die nächste Überraschung wartete schon: die Kleine Karoo.
Im nächsten Teil: Strauße, Höhlen und die Kleine Karoo – einschließlich eines Vogels, der sich ausgesprochen für Sylkes Ohrring interessierte.
Weiter zu Teil 6: Kleine Karoo – Von neugierigen Straußen und unterirdischen Wundern

No responses yet