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Urlaub ist sowas wie ein einziger Kompromiss. Ich wollte auf die drei höchsten Gipfel Madeiras steigen. Uwe nicht. Uwe wollte erst 10.00 Uhr starten, ich am liebsten zum Sonnenaufgang. Kompromiss: Wir machen eine Gipfel-Tour mit Start 9:30 Uhr.

Der Wandergott meint es heute gut mit uns. Strahlender Sonnenschein. Wir sind pünktlich am vereinbarten Treffpunkt, weil wir wohnen ja jetzt östlich von Funchal.
Das Apartment ist der Hit. Leider nur die erste Stunde gestern, da saßen wir auf unserem Balkon und haben uns mit dem weiten Blick über den Ozean gefreut, die gleiche Aussicht ohne eine Kreuzfahrt mit 2000 anderen Menschen gebucht zu haben. Ein kaltes Glas Weißwein, ein gutes Buch. Leider liegt das Apartment genau in der Einflugschneise des Flughafens, der nur 5 min entfernt ist. Als der erste Flieger dann um die Ecke bog, haben wir erstmal einen ganz schönen Schreck bekommen. Zum Glück landen hier nicht so viele Flugzeuge, aber wir können die Sommersprossen des Kapitäns zählen, so nah fliegen die über uns hinweg. Wir nehmen dann von diesem Ort als Überwinterungsquartier doch Abstand.

So ein bisschen nervig ist es schon, obwohl man die landenden Flugzeuge an 10 Fingern abzählen kann. Gestartet wird zum Glück in die andere Richtung. Äh, warum sind wir eigentlich hier? Naja weil es ein wirklich cooles Apartment ist und weil wir, wie ihr hier seht, einfach aufs Meer gucken und es unter uns immer rauscht.

Zurück zum Wandertag heute. Unser gebuchter Transfer zum Wanderstart kam pünktlich. Den Treffpunkt haben wir uns schon gestern mal angeschaut. Jardins do Garajau, viele leere Parkplätze. Komisch, früher habe ich die älteren Herrschaften immer belächelt, die schon mal vorab checken, wo am nächsten Tag der Treffpunkt ist. (Entschuldige, Edda.) Jetzt mache ich das selber. Sind wir jetzt alt?

Mit unserem Mini-Shuttle-Bus sind wir dann nochmal eine Runde durch Funchal gefahren, um alle 6 Gäste einzusammeln. Da hätten wir auch in unserem alten Apartment in Funchal bleiben können.

Also da, wo die Radarstation steht, ging es los. Dort oben hat sich wieder mal alles bestätigt, was wir schon kennen: Gehst du 500 Meter weg, wird die Dichte der Touris um den Faktor 50 reduziert.

Fahrt auf den Pico do Arieiro. Zum Glück haben wir das nicht mit unserem Mietwagen gemacht. Sylke hatte die Idee, die Wanderung nicht hin und zurück zu machen sondern uns bequem per Shuttle zum Pico do Arieiro bringen zu lassen und uns dann am Ende der Wanderung am Achado do Teixeira wieder abholen zu lassen. Also ein One Way Wander -Ticket. Zum Glück, den der Parkplatz am Pico do Arieiro, dem zweithöchsten Berg Madeiras, war schon mal rammelvoll.

Der Weg ist wirklich super ausgebaut. Am Anfang. Höhenangest, wie der ältere Herr da, sollte man trotzdem nicht haben. Rechts geht es nämlich 300 Meter runter, links sind es nicht viel weniger.

Vor 50 Jahren hat die Inselverwaltung den PR1 Wanderweg anlegen lassen. Die Wanderwege hier sind durchnummeriert und PR1 bedeutet so viel wie: Der Erste und Wichtigste.

Wir hatten, dank der Bestellung beim Wettergott von Sylke, super Wetter. Denn es kann durchaus sein, dass man hier oben einfach in den Wolken ist und gar nichts sieht.

Von 1818 m Höhe am Ausgangspunkt sind wir dann auf 1862 m Höhe aufgestiegen. Leider waren das nicht die schlappen 56 Höhenmeter. Sondern auf 8 Kilometer Strecke verteilt so mal 500 Meter runter, 400 Meter hoch, 300 Meter runter, 500 Meter hoch. (@Uwe: In der maßvollen Übertreibung liegt die Kunst!)
Also einfach viele Täler dazwischen mit Tunneln, Stiegen, Tritten, Treppen, vielen, vielen Leuten, Gegenverkehr, grandiose Aussichten, atemberaubende Pfade, die in die Wand geschlagen sind… was für eine tolle Wanderung.

Man wandert von einem spektakulären Aussichtspunkt zum nächsten. Der kleine Gipfel im Bild heisst Habichtnest. Stimmt eigentlich nicht, weil es keine Habichte gibt auf Madeira. Dafür aber drei verschiedene Adler.
Die Wanderstrecke geht dann schon auch mal durch Tunnel. Sonst müsste man ja oben drüber über den Sattel (gab´s aber auch, mit Stahltreppen die senkrecht nach oben führten).
Von den leicht ausgesetzten Stellen der Wanderung ganz zu schweigen. Der Gegenverkehr musste leider warten.

Laut Rother Wanderführer dauert die Tour hin und zurück 5:50h. Wir waren glücklich, dass wir den Transfer gebucht hatten. Wir mussten also vom Pico Ruivo nur eine Stunde absteigen und 15.30 Uhr stand pünktlich mit unserem Eintreffen unser Fahrer Ulysses auf dem Parkplatz. Was für eine tolle Idee! Es hat aber vollkommen ausgereicht. Den ganzen Tag haben uns heute die Madeira Ultra Trailrunner überholt. Mit Startnummern, Wanderstöcken und im Laufschritt. Wie verrückt muss man sein, an zwei Tagen 115 km zu joggen? Uns hat 1/10 der Strecke vollkommen ausgereicht.

Die Ultra Marathon Runner*innen sind dann nochmal in die Richtung weiter gelaufen, während wir zum Parkplatz geschlendert sind.

Morgen geht es weiter nach Porto. Madeirawein haben wir genug getrunken, jetzt kommt der Portwein dran.

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