Der Liebste ist immer noch krank. Normalerweise würde ich sagen „Männerschnupfen“, aber da ich ihn angesteckt habe, verkneife ich mir jeden Kommentar.
Es ist Samstag und ich muss nicht an die Werkbank, aber mit großer Wanderung geht auch nicht, weil sonst droht schnelle Ermattung und Kraftlosigkeit beim Freund. Zwei Kaffee im Bett, eine Stunde Yoga auf der Terrasse (nur ich!), online die Zeitung lesen, eine große Schüssel mit Papaya, Orangen, gelben und roten Bananen verspeist (unfassbar lecker, irgendwie scheint den Früchten ein Transport nach Deutschland nicht so gut zu bekommen) und dann sind wir gemächlich nach Puerto de la Cruz gefahren.

Riesiger Parkplatz, das ist schon mal praktisch. Monsterwellen heute. Dann sind wir ein Stück auf der Mole langspaziert und haben gelacht, wenn die Wellen auch hier die Leute ein bisschen nass gemacht haben. Während Uwe seiner Leidenschaft „Ich fotografiere die tollste Welle“ nachgegangen ist, habe ich ein bisschen gegoogelt. War da nicht vor Kurzem ein tragisches Unglück, wo Leute auf Teneriffa ins Meer gespült wurden und ertrunken sind? Ich sage nur: Unser Rückweg war dann durch die Stadt und nicht auf der gefährlichen Mole! Der Unfall war genau hier in Puerto de la Cruz (okay, die genaue Stelle an der Hafenmole war jetzt mit einem festen Gitter versperrt), aber wir waren irgendwie trotzdem ziemlich nah dran. Und ziemlich doof! Und irgendwie auch ziemlich unreflektiert! Naja, wir leben noch.


Im Örtchen haben wir dann von sicherer Stelle unfassbar viele Wellenbilder gemacht. Sehr faszinierend. Jede Welle ist höher, überall Gischt. Früher mit den Kids am Meer war der Slogan „Immer schön am Spülsaum gehen!“, denn das ist gut für die Lungen und gesund. Hier wäre man am Spülsaum ein Opfer der Wellen. Und in den Wohnungen am Meer sind wahrscheinlich die Klamotten klamm, weil alles die Feuchtigkeit anzieht. Das geparkte Auto hatte eine wunderbare Salzkruste als Überzug. Da musste der Wischer erstmal Vollgas geben.


Was hier in Puerto de la Cruz aber wirklich nervt, sind die Deutschen. Da stehst du am Eisstand und vor dir verlangt ein Typ in kurzen Hosen und Sandalen im breitesten Dialekt (zum Glück kein Sächsisch) „Zwei Kugeln Vanille mit Sahne“. Auf die Idee, dass er in Spanien ist, kommt der gar nicht mehr. Klar, wir sind auch Touristen und reihen uns ein ins Fußweg verstopfen, Straße zuparken, Restaurants besetzen, Gegend platt latschen und nach einsamen Orten suchen, die vorher noch nie jemand entdeckt hat. Und mich regt das trotzdem auf. Hier ist alles fest in Deutscher Hand. Die Alten übernehmen Teneriffa. Ich weiss gerade nicht, wie ich das finden soll. Komisch auf alle Fälle.


Uwe sagt zwar bei jeder verfallenen Ruine mit Blick aufs Meer „Guck mal, da könnte man was Tolles draus machen!“ Aber ich habe da gar keine Lust drauf. Ich bin unfassbar gerne weg, aber ich komme noch viel lieber nach Hause. Ich hocke mich doch nicht in eine 40 m²-Butze, die mein eigen ist, wenn ich zu Hause auch ein minikleines Zitronenbäumchen habe. Brauche ich mehr davon (Zitronen, nicht Wohnfläche), gehe ich zu Edeka auf den Rathausmarkt.
Aber, wenn Du das liest, mein Liebster, für Dich zur Warnung oder Entwarnung: Du weißt, ich mach alles mit! Für die Erfüllung von Lebensträumen ist jeder selbst zuständig, aber ich bin dabei (wenn unbedingt notwendig). Äh, Anmerkung der Redaktion: Nachdem wir uns die Preise für die 40 qm Butze beim Makler heute angeschaut haben: Mejor no! Da hätte ich mal vor 20 Jahren drauf kommen sollen!
Und dann zum Abschluss des Tages, ich noch auf dem Balkon dem Donnern der Wellen fasziniert gelauscht und ein bisschen vor mich hin geträumt. Uwe ist drinnen, malträtiert die Dorade, die wir gleich verspeisen wollen. Das Licht ist an, aber dummerweise die Balkontür geschlossen. Mit Glas in der rechten Hand und offenen Computer in der linken Hand habe ich versucht, durch die geschlossene Balkontür zu gehen. Nun ja, ich lebe noch. Die Balkontür auch. Der Computer ist zum Glück noch heil. Das Glas ist hin, aber ich habe mir nicht die Pulsadern aufgeschnitten. Glück gehabt. Wahrscheinlich ist in dem leckeren alkoholfreien spanischen Wein doch Alkohol drin!

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