Ein Museumsbesuch weckt Erinnerungen
Freizeit im Programm beim Besuch von Kapstadt. Was tun? Kunst anschauen!
Das Zeitz MOCAA ist schon wegen seiner Architektur einen Besuch wert. Ein ehemaliger Getreidesilo, den man regelrecht aufgeschnitten hat. Entstanden sind riesige, organisch geformte Betonräume und schwindelerregende Durchblicke. Mittendrin: zeitgenössische afrikanische Kunst.
Sehr beeindruckend. Aber sag mal, Sylke, warum heißt es eigentlich Zeitz MOCAA? Der Name ließ uns nicht los. Zum Glück gibt es Suchmaschinen.

Zeitz. Jochen Zeitz. Da war doch was.
Anfang der Neunziger war ich Creative Director bei McCann Erickson in Frankfurt und für den Puma-Etat verantwortlich. Jochen Zeitz war damals neu im Puma-Marketing in Herzogenaurach. Wir saßen uns öfter gegenüber. Wenige Jahre später sollte er Chef des Unternehmens werden und aus einer ziemlich angeschlagenen Sportartikelmarke wieder eine begehrte Marke machen.

Damals stand es nicht gut um Puma. Die Schuhe waren auf den Wühltischen gelandet. Ein neues Dämpfungssystem namens Trinomic sollte die Wende bringen.
Der Werbefilm, den wir dafür in der Agentur entwickelt hatten, sollte gleichzeitig dem Markenzeichen wieder Leben einhauchen. Unsere Idee: Ein echter Puma ahmt die Bewegungen von Sportlern nach und demonstriert dabei Dynamik und Stabilität der neuen Schuhe.
Wo bekommt man echte Pumas her? Aus den Rocky Mountains. Also auf nach Los Angeles.
Die Produktion war aufwendig, das Budget großzügig und die Erwartungen entsprechend hoch.
Nur hatten wir die Rechnung ohne unsere Hauptdarsteller gemacht.

Die Pumas machten alles. Außer dem, was im Drehbuch stand.
Nach etlichen vergeblichen Versuchen sah uns der Tiertrainer an, schüttelte den Kopf und sagte trocken:
„They are so stupid, I’m wondering why they are used as a brand icon.“
Da standen wir nun. Eine internationale Sportmarke, ein teurer Werbefilm und ein Tier, das offenbar keinerlei Interesse an seiner Karriere als Markenbotschafter hatte.

Irgendwie haben wir den Film trotzdem fertigbekommen.
Jochen Zeitz machte anschließend Karriere, wurde Puma-Chef und später Unternehmer, Kunstsammler und Mitinitiator dieses außergewöhnlichen Museums in Kapstadt.

Und ich stand gut drei Jahrzehnte später zwischen den aufgeschnittenen Betonsilos, betrachtete die Kunst und dachte an einen doofen Puma, der mir fast den Film versaut hätte.
