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Ich muss an meiner Wanderperformance arbeiten. Warum? Hier ein kleiner Erklärungsversuch.
Nach einer Pause beim Wandern wollen wir wieder los. Bis ich aufgestanden bin und mich orientiert habe, kommen wir eigentlich von rechts und wandern nach links weiter oder umgedreht, ist Uwe schon wieder 20 m vor mir. Ich sehe von meinem Freund immer nur den Rücken, denn ich wandere in einem angeblich unfassbar langsamen Tempo. Zitat Uwe: „Ein bisschen langsamer und Du gehst rückwärts“. Komisch, das ist sonst mein Text beim Fahrradfahren: „Ein bisschen langsamer und du fällst um“. Ich wandere auch neuerdings mit auf dem Rücken verschränkten Armen. Zitat Marie: „Mama, so wandern nur 100-jährige“. Ist aber schwierig, sich das wieder abzugewöhnen. Was ich sagen will, ich bin eben nicht mehr 30. Face the facts. 

Das fing gestern ganz entspannt an. Sylke machte die Frau Holle unterm Mandelbaum.

Gestern mal schnell in Las Vegas gewesen. Zum Glück nicht bei den doofen Amis, sondern hier in einem Minidorf auf der Insel. Rother Wanderführer „Circular Las Vegas“ Tour gelaufen. 

Das erste mal, dass wir an einer Levada mit (viel) Wasser vorbei kamen. Fast wie auf Madeira.
Wie üblich ging es erst mal hoch.
Bis zu unserer neuen AirBnB Wohnung. Nein, ein Scherz! Das sind die „Häuser“ in denen die ersten Siedler in diesem Tal im 17. Jhd. wohnten. Da war noch genug Wasser da und die Gegend war ziemlich fruchtbar.
Es gab auf der Strecke leider auch drei „Barrancas“ auf deutsch Schluchten und mangels Brücken mussten wir uns ganz schön hoch und runter quälen.
Die Gegend ist mit uralten Steinmauern und Terrassen durchzogen. Das waren alles einmal bestellte Felder. Wir haben öfter diskutiert warum für diese Mauern Cinque Terre Weltkulturerbe ist und hier kümmert sich niemand darum.
Das Selfie musste natürlich sein. Aber mehr als den Namen hat das Dorf mit dem amerikanischen Pendant nicht gemeinsam. Allerdings: Dieses Las Vegas hier ist schlappe 200 Jahre älter.

Anmerkung der Redaktion: Dass wir uns so eine „kurze“ Tour am Hausberg ausgesucht hatten (wir waren dann doch dreieinhalb Stunden unterwegs), lag an unserem exzessiven Sportprogramm am Vormittag. Sylke Yoga, ich ein bisschen Krafttraining. Und dass es so lange gedauert hat, da nehme ich meine Liebste in Schutz, lag an der Losung: Ich mach eine botanische Tour. Jeder Blüte wurde fotografiert.

Die Namen der ganzen Blumen wissen wir natürlich nicht, bis auf die üblichen Verdächtigen. Aber trotz Trockenheit schaffen sie es doch überall zu leuchten.


Und heute wollten wir es wieder wissen. Auf ins Anaga-Gebirge und die Wanderung „Afur-Taganana“ aus den Jahr 2025 endlich in Angriff nehmen! Ihr wisst, dort ist ganz oft schlechtes Wetter (mindestens dann, wenn wir dorthin fahren). Anmerkung der Redaktion: Wir waren noch nicht gestartet, ging die Diskussion los: „Dort ist schlechtes Wetter, guck mal die Wolken“, „Nein, wir werden heute Glück haben“, „Nicht doch lieber Plan B?“, „Nein, wir fahren jetzt nach Afur“.

Oh je! Auf dem Weg nach Afur ist dann erst einmal die Wolkensuppe über das Gebirge in das Tal in das wir wollten geschwappt.


Schließlich war der Wandergott mit uns, mindestens zu 50 %. Die erste Hälfte der Strecke im wunderbaren Sonnenschein gelaufen. Herrlicher Weg an der Steilküste. Dann ging es bergauf und die Wolken hingen immer tiefer.

Zuerst ging es von Afur Richtung Playa de Tamadite. Und überall standen Wände aus Basalt. Die stehen da wohl schon ein paar Millionen Jährchen länger.
Auch hier gab es terrassierte Felder, die sogar teilweise noch genutzt wurden.
Ein paar Kletterübungen waren auch notwendig.
Der Weg gab alles. Hoch, runter, entlang eines Bachlaufes in dem die Frösche lauthals quakten und…
…jede Menge Eidechsen lauerten.
Der „Strand“ war wie hier üblich eher ein Geröllhaufen. Aber die Hütte hätten wir dann doch schon fast zum Kaufen in Betracht gezogen. Allerdings so ganz ohne Strom und Wasser und nur Luft und Liebe…
Neben dem riesigen Löwenzahn, der sicherlich anders heisst aber hier schon blüht…
…gab es wilden Fenchel am Wegesrand der ziemlich intensiv geschmeckt hat. Der Weg an der Steilküste war jedenfalls spektakulär und auf dem Beitragsbild kann man einen kleinen Teil davon oben rechts erkennen.
Wo es runter geht, muss man auch wieder hoch wandern. Um genau zu sein: 850 Meter. Und da erwarteten sie uns dann wieder, die Wolken, die wir morgens hinter uns gelassen hatten.

Ging das krass weit nach oben. Ich hab zwischendrin ein Selfie gemacht und dachte, das kann Uwe nach meinem Ableben dann als mein letztes Foto für die Traueranzeige verwenden. 

Jetzt bloss kein Mitleid! Das sind keine Tränen sondern Schweiß!


Aber der Freund, wie immer weit vor mir, musste am Gipfel auch das T-Shirt wechseln. 
Die gute Tat des Tages, waren zwei Allgäuer, die schon seit 1 Stunde auf den Bus gewartet haben. Wie sich herausstellte, sollte der Bus erst in 1 Stunde kommen. Wir haben die beiden ein Stückchen mitgenommen. Ohne Auto auf der Insel, das ist gar nicht so einfach. Die beiden sind eine Woche hier und dann vier Wochen auf La Gomera und dann mal sehen wie’s weitergeht. Einen Rückflug haben sie noch nicht. Wie cool. Anmerkung der Redaktion: Da möchte ich mal Sylke erleben, wenn wir ohne gebuchten Flug durch die Welt streunern würden.

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