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Gestern hieß es von Null auf Hundert. Dann steht der heutige Tag unter dem Motto: Von Hundert auf Tausend ohne zu bremsen. Pünktlich um zehn stand unser Fahrer und unser Guide zur Abholung vorm Hotel. Auf das, was uns erwartet, waren wir trotz unserer kleinen Schnuppertour durch Delhi gestern, nicht vorbereitet. 

Der gebuchte deutschsprachige Guide hat wirklich Deutsch gesprochen (8 Monate Unterricht am Goetheinstitut und seit 2 Monaten verheiratet und seit fünf Monaten Touristenführer in Delhi). Aber er ist 24 Jahre und wenn er noch ein paar Jahre Berufserfahrung hat, ist er ein Profi. Er hat es heute schon ziemlich gut gemacht. 

Das Programm sah vor: Halbtagestour durch Delhi. Wenn von 10.00 Uhr bis 17.00 ein halber Tag ist, da bin ich froh, dass keine Ganztages Tour geplant war.

Das Baha`i ist einer Lotusblüte nachempfunden und ist ein Haus der Andacht. Weltweit gibt es mehrere solcher Häuser, denn der Baha`i Glaube ist global verbreitet auch wenn wir noch nichts von ihm gehört haben.
Coole Architektur außen und innen war es auf jeden Fall.

Zuerst Neu-Delhi. Vom Lotus Tempel (das wurde schon die erste Touristin in der Schlange ohnmächtig, weil wir uns in mitten der prallen Sonne und einer schönen Schlange formieren sollten, um die Instruktionen zu erhalten wie Handy ausschalten und auf gaaaaar keinen Fall schwatzen oder fotografieren), zum Qutub Minar aus dem Jahr 1191 (einzige Jahreszahl, die ich mir gemerkt habe).

Qutub Minar ist Welterbe und eine Anlage aus dem 12. Jhd. Der Turm ist aber immernoch mit 152 Metern der höchste sakrale Turm in Indien. Dumm nur dass er in der Einflugschneiße des Flughafens steht. Bei uns hätte daher der Flughafen keine Baugenehmigung erhalten.
Die ganze Anlage und auch die Grabstätte von Humayun lässt uns schon ein bisschen staunen. Als das gebaut wurde ist in Europa gerade das römische Reich zerfallen.

Dazwischen die Fahrten von A nach B etwas entspannter, weil im Auto und nicht in einem von einem Verrückten gesteuerten Tuktuk unterwegs. Der Verkehr war trotzdem irre. Der Guide mit seinen 8-Monate-Deutsch wollte uns ablenken dadurch, dass er versucht hat uns die hinduistische Mythologie näher zu bringen. Als er irgendwann zwischen der Mutter von Shiva und Gannesh mit dem Elefantenkopf und seinem Vater selber nicht weiter wusste (es war viel komplizierter alles…. als dass man es hier niederschreiben könnte) und er selber gemerkt hat, dass der Touri ihn nicht mehr folgen kann, haben wir lieber seine Hochzeitsvideos angeschaut. Drei Tage mit 250 Gästen, da müssen die Eltern der Braut schon lange sparen.

Eine Moschee? Das ist Delhi! Deshalb ist es natürlich die größte indische Moschee: Jama Masjid.
Eine Frau, noch dazu ungläubig, in einer Moschee mit unbedeckten Armen und nur in Hosen geht gar nicht! Da musste Sylke dann doch noch ein Kittelchen überziehen.

Vorbei am Parlament, immer mal wieder eine Moschee eingestreut. Und noch mehr Leute. Und die mittelalte Frau mit den grau-blonden Haaren wurde 100 fach angesprochen, ob man mal ein Foto mit ihr machen darf. Das war am Anfang noch lustig, aber kaum hast du zu einem Ja gesagt, kamen 20 neue Leute dazu. Da wurde der süße Sohn vorgeschoben, dann hat sich rechts jemand neben dich gestellt und links eine andere Gruppe. Wenn man dann nicht irgendwann gesagt hat „Jetzt ist es aber gut!“ und einfach geht (fällt schwer, bei so viel Aufmerksamkeit), da würden wir jetzt noch stehen uns fotografieren lassen. 

Sylke hätte, wenn sie immer 100 Rupien pro Foto genommen hätte, heute gut verdienen können um die Urlaubskasse aufzubessern.

Und nach einem Mittagessen ging es nach Alt-Delhi. Mit einen Rikscha-Fahrer durch einen alten Hochzeitsmarkt. Der dünne Kerl musste uns und den Guide ohne Gangschaltung auf einen 100-jährigen Fahrrad durch überfüllte Gassen fahren. Ab und zu kam uns eine andere Rikscha entgegen. Oder Typen mit riesigen Paketen auf den Schultern und wahnwitzig viele Leute. Alle eng, laut und aufregend. Das war wirklich irre. 

Der Kerl konnte einem wirklich Leid tun. Nicht nur dass wir zu dritt in seiner Rikscha saßen, sondern die Gassen wurden zudem auch noch immer enger.
Am Start der Tour haben wir noch gelächelt. Kurze Zeit später stand uns nur noch der Mund offen.
Hier gibt es keine Möven, die einem das Fischbrötchen aus der Hand klauen. Aber echte Stadt-Affen, die gerne Eis mögen und genauso geschickt sind wie die gefiederten Diebe.
Der Markt von Alt Delhi ist unterteilt in den Hochzeits- (da sind wir mit der Rikscha durchgefahren), den Handwerks-, den Schmuck- und den Gewürzmarkt. Unglaublich was es da alles aufgetürmt wurde.
Und da Kühe bekanntlich ja heilig sind, schlendern die auch noch durch die engen Gassen und stecken wie hier auch gerne mal die Zunge in die Auslage.
Am Platz vor dem roten Fort, (ein riesiges Gebäude im Zentrum von Alt Delhi. Es wurde im 17. Jhd für den Mogulkaiser gebaut.) war ein Volksfest, und entsprechend viel los. Eigentlich wollten wir schon gestern hierher, aber da wären wir ohne Guide komplett verloren gegangen. Sylke kam kaum vorwärts, weil sie als neuer Star ständig für Fotos herhalten musste wie auch im Beitragsbild zu sehen..

Die letzte Station: das rote Fort. Im Nachbarpark war Rummel und es waren wirklich viiiiele Leute unterwegs. Foto hier, Foto da (also WIR wurden fotografiert, weil wir für die Inder die Attraktion waren ) und irgendwann saßen wir im Auto (mit einem eiskalten  Wasser aus dem Kofferraum) und waren Richtung Agra unterwegs. Schnauf! Was für ein Tag. 

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