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Warum sind wir eigentlich in Indien? Okay, einerseits um die Gesundheit zu pimpen. Aber der andere Grund war, sich einmal wie Lady Di vor den Taj Mahal fotografieren zu lassen. Gesundheit und Foto: Check! (Anmerkung der Redaktion: Letzteres war der explizite Wunsch einer einzelnen Dame, nicht meiner!).

Vor unserer Super-Nobel-Marmor-Lilienduft-Spiegel-Herberge stand 5:45 Uhr der Fahrer. Unterwegs einen neuen Guide aufgegabelt und ab ging die wilde Hatz zum Weltkultur-Erbe Taj Mahal. Keine Taschen, keine Schokolade, kein Kaugummi, keine Zigaretten erlaubt. Dafür Füsslinge über die Schuhe und für jeden Touristen eine Flasche Wasser! Wahrscheinlich sind sogar schon vor Sonnenaufgang Leute ohnmächtig geworden. 

Da war ich auch sehr beeindruckt. Das ist schon ein imposantes Bauwerk. 22 Jahre Bauzeit, 22 000 Bauarbeiter, 22 geheime Räume, usw… Mystisch ist das Ganze auch noch. Nur die Türme ragen nicht 22 Grad sondern nur 13 nach außen. Damit, sollten sie umfallen, sie nicht auf das Mausoleum krachen.

Ein herrliches Objekt! Gebaut als Grab für die dritte Ehefrau (Logo, nicht nacheinander, sondern gleichzeitig) des Maharadschas. Die Arme ist nach 16 Jahren Ehe bei der Geburt des 14. Kindes gestorben. Wahrscheinlich ist das Taj Mahal auch Ausdruck des schlechten Gewissens seitens des promiskuitiven Ehemannes? (Ein Strauß Rosen hat es wohl nicht getan.) Von ähnlichen Bauwerken ist mir mit gleicher Bedeutung weltweit nichts bekannt. Das gibt zu denken….

Die Intarsienarbeiten in Marmor waren und sind heute noch eine Spezialität der Handwerker von Agra. Die meisten Intarsien waren aus Edelsteinen gefertigt, die die Briten genauso wie den riesigen Diamanten auf der Spitze der Kuppel einfach haben mitgehen lassen. Eigentlich wollten sie das gesamte Gebäude stückweise verkaufen, was aber gerade noch mal durch das britische Parlament 1904 verhindert wurde.
Das mit dem Foto im Diana Style war schwierig. Erstens hat man für Diana extra eine Bank hingestellt, zweitens hatte sie keinen so tollen Typen neben sich sitzen bei der Aufnahme.

Heute Nachmittag ist das Taj Mahal geschlossen, weil der chilenische Staatschef ähnlich wie ich auch ein Foto im „Diana-Style“ möchte. Mit dem Unterschied, wir mussten uns das Bild mit den durchschnittlich 29.998 anderen Touristen teilen.  

Danach ging es erstmal zurück zum Nobelhotel mit einem Nobel-Frühstück. Hier war so viel Personal unterwegs, dass es bestimmt eine 1:3-Besetzung gab. Ich wusste beim besten Willen nicht mehr, was ich mir noch bestellen sollte. Ach ja, das war doch noch was! Nach drei Wochen den ersten Cappuccino. Gestern Abend habe ich das eiskalte Perrier-Mineralwasser mit Sprudel stehen lassen und mir eine Tasse warmes Wasser bestellt. So ein Körper ist schon lernfähig, aber diese Ayurveda-Prägung wird nicht so lange anhalten, befürchte ich. 

Weiter ging das Tagesprogramm mit  dem „Mini-Taj-Mahal“, angeblich genau so schön, nur viel weniger bekannt. 

Das „kleine“ Taj Mahal lies die Tochter eines wichtigen Geschäftsmannes fast zur gleichen Zeit im 17.Jhd für ihre Eltern bauen. Die Intarsien sind noch filigraner und die Deckengemälde sind zwar stark angegriffen, zeigen aber ganz große handwerkliche Kunst.

Und dann das Fort Agra. Eine riesige Festung (natürlich die größte von ganz Indien) mit Palast oben drauf. Da hat, nachdem er seine drei Brüder umgebracht hat der jüngste Sohn des Kaisers seinen Vater gefangen gehalten um selbst die Regierung zu übernehmen. Die spinnen die Inder!

Achtzig Prozent der Festung werden noch heute vom Militär genutzt und sind nicht zugänglich. Nur der Teil des ehemaligen Palastes und der Zugang dazu kann von Touris besucht werden.
Der Garten war ursprünglich mit Weinreben bepflanzt und auch ansonsten soll es hier hoch her gegangen sein.
Das schönste Gefängnis der Welt für den Papa des Brudermörders. Angeblich hat der Bengel sich das 9 Jahre angeschaut und dann auch den Papa mit etwas Gift ins Jenseits befördert.

Ich hatte meine Lady-Di-Bilder und mein Touristen Interesse war nicht mehr so groß. Sorry. 

Den Guide verabschiedet und weiter ging es Richtung Jaipur. 5 Stunden Fahrt. Zum Glück dürfen wir hinten sitzen und können uns chauffieren lassen. 

Vorbei an km-langen Feldern, wo viele Bauern dabei sind, den Weizen zu ernten. Ihre handtuchgroßen Besitztümer werden mit der Sichel abgeerntet, zu Garben gebunden und dann wahrscheinlich mit den Flegel gedroschen… Nun ja, vor 100 Jahren haben die Bauern bei uns wahrscheinlich auch so gearbeitet. 

Die einen ernten, daneben werden Ziegel gebrannt, getrocknete Kuhfladen zu Türmen geschichtet… Wir sitzen geschützt im klimatisierten Auto. Was für ein Glück. Ich stürze mich sonst gern ins Getümmel, aber das Leben hier ist mir dann doch zu viel.

Dieses TukTuk hat nur 10 Personen befördert, Leider kann man das nicht so genau sehen, aber Sylke hat diesmal im Stau als grauhaariges Fabelwesen für Fotos zur Verfügung stehen müssen.

Frage: Wieviele Leute passen in ein TukTuk? Genau: 14! Gut geraten und nun: Wieviele passen auf ein Moped? Knapp daneben: 4 und 2 Kinder quer gelegt. Alles natürlich ohne Gurt oder Helm.

Herrlich, unser gut sortiertes Leben. Wunderbar, dass wir uns alle mehr oder weniger an Regeln halten. Wie schön, eine verpflichtende Krankenversicherung zu haben. (Hatte unser Guide bis vor 10 Jahren nicht, dann hatte er einen ganz schlimm Verkehrsunfall. Jetzt leistet er sich eine Krankenversicherung.)  Ich lebe gern in Deutschland und hier merkt man erstmal, welches Glück wir haben ohne es manchmal richtig zu schätzen. 

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