{"id":198,"date":"2026-10-19T20:17:16","date_gmt":"2026-10-19T18:17:16","guid":{"rendered":"https:\/\/altestreuner.de\/leben\/?p=198"},"modified":"2026-10-19T20:17:16","modified_gmt":"2026-10-19T18:17:16","slug":"suedafrika-zwei-welten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/altestreuner.de\/leben\/2026\/10\/19\/suedafrika-zwei-welten\/","title":{"rendered":"S\u00fcdafrika &#8211; zwei Welten"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Zwischen Traumreise und sozialer Wirklichkeit<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">S\u00fcdafrika hat uns begeistert. Die Landschaften, die Tierwelt, die K\u00fcsten, die Menschen, denen wir begegnet sind. Wir haben eine wunderbare Reise erlebt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber es gab auch Dinge, die uns ersch\u00fcttert haben. Und Gespr\u00e4che, die uns noch lange nach unserer R\u00fcckkehr besch\u00e4ftigten. Vor allem deshalb, weil die Erkl\u00e4rungen, die wir bekamen, so wenig zu dem passen wollten, was wir mit eigenen Augen sahen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sechs Beobachtungen sind uns besonders in Erinnerung geblieben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. \u201eDie Schwarzen wollen so leben.\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das erkl\u00e4rte uns William, unser Reiseleiter, als wir wieder einmal an den unfertigen H\u00e4usern eines ehemaligen Homelands vorbeifuhren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eF\u00fcr die Leute ist das hier ihr Zuhause. Die H\u00e4user sind unfertig, weil sie in der Stadt arbeiten. Dort wohnen sie in den Townships. Und wenn sie genug Geld zusammenhaben, kommen sie zur\u00fcck, um an ihren H\u00e4usern weiterzubauen. Sie wollen hier nicht weg.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir haben ihm das nicht geglaubt. Oder besser: Wir wollten es nicht glauben. Denn nach unserer Vorstellung lebt niemand freiwillig unter den Bedingungen, die wir in vielen Townships gesehen hatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Homelands waren Gebiete, in die w\u00e4hrend der Apartheid schwarze S\u00fcdafrikaner auch zwangsweise umgesiedelt wurden. Die Townships waren r\u00e4umlich getrennte Wohngebiete, h\u00e4ufig weit entfernt von den Arbeitspl\u00e4tzen und den wohlhabenden Stadtvierteln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gesetzliche Rassentrennung ist verschwunden. Ihre geografischen und wirtschaftlichen Folgen sind geblieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich kann William recht damit haben, dass viele Menschen an ihrer Heimat h\u00e4ngen, dass sie dort ihre Familien haben und irgendwann ein eigenes Haus fertigstellen m\u00f6chten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber daraus folgt nicht, dass sie auch mit ihren Lebensbedingungen zufrieden sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und wie frei ist eine Entscheidung, wenn die Alternativen kaum besser aussehen?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. \u201eDie Apartheid ist doch seit \u00fcber 30 Jahren Geschichte.\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eIn meiner Schule haben schwarze, farbige und wei\u00dfe Kinder ganz prima gemeinsam gelernt und gespielt. Das war eine tolle Zeit\u201c, erz\u00e4hlte uns William.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine Schule liegt in Plettenberg Bay, an der Garden Route im Westkap. Mag sein, dass dort Kinder unterschiedlicher Hautfarben l\u00e4ngst selbstverst\u00e4ndlich gemeinsam lernen. Und vielleicht war Williams Schulzeit tats\u00e4chlich so unbeschwert, wie er sie in Erinnerung hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber wir haben auch andere Geschichten geh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Beispiel von Tante Siena. Sie organisiert an drei Schulen in den besseren Townships Schulessen und k\u00fcmmert sich dar\u00fcber hinaus um Menschen in ihrer Nachbarschaft, denen es am N\u00f6tigsten fehlt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele der Kinder bekommen zu Hause nicht genug zu essen. F\u00fcr manche ist das Essen in der Schule die einzige richtige Mahlzeit am Tag. Siena sammelt Lebensmittelspenden und bittet immer wieder Menschen um Unterst\u00fctzung, damit die Kinder versorgt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und das wohlgemerkt in den&nbsp;<em>besseren<\/em>&nbsp;Townships.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">S\u00fcdafrika hat ein staatliches Schulspeisungsprogramm. Warum Siena trotzdem an drei Schulen Lebensmittel organisieren muss, wissen wir nicht. Aber dass ihre Hilfe gebraucht wird, sagt bereits einiges \u00fcber die Lebensverh\u00e4ltnisse dieser Kinder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da geht es nicht mehr nur darum, ob schwarze und wei\u00dfe Kinder gemeinsam auf dem Schulhof spielen. Da geht es darum, ob ein Kind mit leerem Magen \u00fcberhaupt eine Chance hat, vern\u00fcnftig zu lernen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Apartheid endete 1994. Aber damit waren nicht pl\u00f6tzlich alle Familien gleich wohlhabend, alle Schulen gleich gut ausgestattet und alle Kinder mit denselben M\u00f6glichkeiten geboren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gesetzliche Trennung ist verschwunden. Die ungleichen Startbedingungen sind geblieben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3. \u201eF\u00fcr die Menschen da drau\u00dfen gibt es heute keine Arbeit.\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es war Mittag, als wir in Stellenbosch an einer Stra\u00dfenkreuzung vorbeifuhren. Am Stra\u00dfenrand sa\u00dfen zahlreiche Menschen und warteten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir fragten William, was sie dort machten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eF\u00fcr die Menschen da drau\u00dfen gibt es heute keine Arbeit\u201c, antwortete er.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es waren Tagel\u00f6hner, die darauf hofften, f\u00fcr ein paar Stunden oder einen Tag angeheuert zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der gesetzliche Mindestlohn liegt 2026 bei 30,23 Rand pro Stunde. Bei acht Stunden Arbeit sind das knapp 242 Rand am Tag. Doch selbst dieser Betrag ist f\u00fcr jemanden, der nur gelegentlich einen Auftrag bekommt, kein verl\u00e4ssliches Einkommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Tag Arbeit, eine Woche ohne Verdienst. Wie soll davon eine Familie leben?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im zweiten Quartal 2026 lag die offizielle Arbeitslosenquote S\u00fcdafrikas bei 33,6 Prozent. Rund 8,5 Millionen Menschen waren arbeitslos.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einige Tage sp\u00e4ter fuhren wir im Regen Richtung Port Elizabeth, das heute Gqeberha hei\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Stra\u00dfenrand begann eine Schlange von Lastwagen. Und sie h\u00f6rte nicht mehr auf. Kilometer um Kilometer standen dort schwere Lkw, nach unserer Sch\u00e4tzung mindestens f\u00fcnfzig Kilometer lang.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Uns wurde erkl\u00e4rt, dass sie ihre Fracht zum Hafen bringen wollten, dort aber wegen eines Streiks nichts abgefertigt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir hatten schon viele Staus gesehen. Aber so etwas noch nie. Nicht einmal an der polnischen Grenze.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">S\u00fcdafrika ist reich an Bodensch\u00e4tzen. Gold, Platin, Kohle, Diamanten und andere Rohstoffe werden abgebaut. Dazu kommen riesige landwirtschaftliche Betriebe, Zuckerrohrplantagen, Viehherden, Industrieanlagen und H\u00e4fen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcberall sahen wir wirtschaftliche Aktivit\u00e4t. Und gleichzeitig begegneten uns Menschen, die vergeblich auf einen einzigen Tag Arbeit hofften.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich schaffen moderne Bergwerke und hoch mechanisierte Landwirtschaft nicht automatisch entsprechend viele Arbeitspl\u00e4tze. Aber der Gegensatz zwischen dem wirtschaftlichen Potenzial dieses Landes und der Lebenswirklichkeit so vieler Menschen ist schwer zu begreifen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">S\u00fcdafrika fehlt es nicht an Rohstoffen. Es fehlt an ausreichend Arbeitspl\u00e4tzen und an einer breiten Teilhabe am erwirtschafteten Wohlstand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer verdient an diesem Reichtum? Und warum kommt so wenig davon bei den Menschen an, die wir in Stellenbosch am Stra\u00dfenrand sitzen sahen?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4. \u201eHier im Westkap ist man ziemlich sicher.\u201c<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/altestreuner.de\/leben\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Elektrozaun-IMG_6003-1024x768.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-203\" srcset=\"https:\/\/altestreuner.de\/leben\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Elektrozaun-IMG_6003-1024x768.webp 1024w, https:\/\/altestreuner.de\/leben\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Elektrozaun-IMG_6003-300x225.webp 300w, https:\/\/altestreuner.de\/leben\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Elektrozaun-IMG_6003-768x576.webp 768w, https:\/\/altestreuner.de\/leben\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Elektrozaun-IMG_6003-1536x1152.webp 1536w, https:\/\/altestreuner.de\/leben\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Elektrozaun-IMG_6003-2048x1536.webp 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eIn manchen Teilen S\u00fcdafrikas w\u00fcrde ich nicht auf die Stra\u00dfe gehen\u201c, erkl\u00e4rte uns William. \u201eAber hier im Westkap ist man ziemlich sicher.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr uns sah das anders aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbst an den Strandpromenaden waren Terrassen und H\u00e4user hinter zwei Meter hohen Z\u00e4unen verschwunden. Obendrauf Stacheldraht, manchmal zus\u00e4tzlich ein Elektrozaun. Hohe Mauern, schwere Tore, \u00dcberwachungskameras und private Sicherheitsdienste geh\u00f6rten offenbar zum Alltag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anfangs dachten wir noch, wir seien vielleicht gerade in einer besonders gef\u00e4hrlichen Gegend gelandet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber es h\u00f6rte nicht auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unsere Hotels waren gesichert wie kleine Festungen. Mauern, Tore, Kameras, Wachpersonal. Und hinter den Z\u00e4unen lagen wundersch\u00f6ne G\u00e4rten, gepflegte Swimmingpools und komfortable H\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach einer Woche hatten wir begriffen, dass wir keine Ausnahme beobachteten. Es schien die Regel zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">William hatte auch daf\u00fcr eine Erkl\u00e4rung: Wer sein Haus nicht entsprechend sichere, werde eben als Erster ausgeraubt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das mag sogar stimmen. Aber ist das nicht gerade das Problem?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch etwas anderes hat Sylke w\u00e4hrend unserer Reise sehr besch\u00e4ftigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Reisef\u00fchrer beschreiben die Garden Route als eine der Regionen S\u00fcdafrikas, in denen auch Frauen allein reisen k\u00f6nnen. Allerdings empfehlen sie erhebliche Vorsichtsma\u00dfnahmen: keine einsamen Wege bei Dunkelheit, sorgf\u00e4ltige Planung und besondere Aufmerksamkeit bei der Wahl der Verkehrsmittel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">William sah das v\u00f6llig anders.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eVon wegen! Blo\u00df nicht!\u201c, widersprach er entschieden, als wir ihn darauf ansprachen. Er berichtete von Gewalt gegen Frauen und erkl\u00e4rte, er w\u00fcrde einer Frau niemals empfehlen, allein durch S\u00fcdafrika zu reisen. Nirgendwo im Land.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er sprach davon, dass jede dritte Frau von Gewalt betroffen sei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und tats\u00e4chlich: Eine landesweite Untersuchung des s\u00fcdafrikanischen Human Sciences Research Council ergab, dass 35,5 Prozent der erwachsenen Frauen im Laufe ihres Lebens k\u00f6rperliche und\/oder sexualisierte Gewalt erfahren haben. Sexualisierte Gewalt allein gaben 9,8 Prozent der Befragten an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das sind erschreckende Zahlen. Allerdings sagen sie nicht unmittelbar etwas dar\u00fcber aus, wie gro\u00df das Risiko f\u00fcr eine alleinreisende Touristin an der Garden Route ist. Ein erheblicher Teil der Gewalt gegen Frauen findet im pers\u00f6nlichen und famili\u00e4ren Umfeld statt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Williams kategorische Warnung und die vorsichtigeren Empfehlungen der Reisef\u00fchrer lassen sich deshalb nicht einfach gegeneinander aufrechnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass die Sicherheitsma\u00dfnahmen nicht nur Ausdruck \u00fcbertriebener \u00c4ngste sind, zeigen zudem immer wiederkehrende Berichte \u00fcber schwere Gewalttaten. Hinzu kommt ein geringes Vertrauen in die Polizei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Sylke blieb das Thema bedr\u00fcckend. Und es besch\u00e4ftigte sie weit mehr als die Frage, ob jemand versuchen k\u00f6nnte, in unser Hotelzimmer einzubrechen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir selbst haben uns auf unserer Reise nicht st\u00e4ndig bedroht gef\u00fchlt. Aber die allgegenw\u00e4rtigen Z\u00e4une haben uns bedr\u00fcckt. Sie waren eine st\u00e4ndige Erinnerung daran, dass Sicherheit hier offenbar etwas ist, das man sich kaufen und hinter Mauern organisieren muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und irgendwann fragten wir uns, was das mit einer Gesellschaft macht, wenn sich die einen hinter elektrischen Z\u00e4unen verschanzen und die anderen drau\u00dfen bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn selbst f\u00fcr uns waren diese Z\u00e4une eine Botschaft:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ihr seid hier nicht willkommen. Wir trauen euch nicht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5. \u201eMandela w\u00fcrde sich im Grab umdrehen.\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diesen Satz h\u00f6rten wir von William und Sidwell, unserem Fahrer. Beide waren sich einig, dass Nelson Mandela entsetzt w\u00e4re, wenn er sehen k\u00f6nnte, was aus seinem S\u00fcdafrika geworden ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei hatten sich mit Mandela und dem ANC gewaltige Hoffnungen verbunden. Nach Jahrzehnten der Apartheid sollte endlich eine Gesellschaft entstehen, in der nicht mehr die Hautfarbe \u00fcber die Chancen eines Menschen entscheidet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">William und Sidwell erz\u00e4hlten uns von Korruption, von kriminellen Strukturen im Minibustaxi-Gewerbe und von einer Eisenbahn, die f\u00fcr den Personenverkehr vielerorts kaum noch eine Rolle spielt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Kapstadt sahen wir das vom Brand gezeichnete Parlamentsgeb\u00e4ude. Das Feuer hatte dort bereits Anfang 2022 gew\u00fctet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und wir erfuhren von District Six, jenem Stadtviertel, aus dem w\u00e4hrend der Apartheid Zehntausende Menschen vertrieben wurden. Die R\u00fcckgabe des Landes und die R\u00fcckkehr der ehemaligen Bewohner sind seit Jahrzehnten vorgesehen. Doch die Umsetzung zieht sich bis heute hin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders emp\u00f6rte unsere beiden Begleiter der soziale Wohnungsbau. Sie berichteten von geplanten H\u00e4usern f\u00fcr arme Familien, von denen am Ende nur ein Bruchteil tats\u00e4chlich gebaut werde. Sie vermuteten, dass ein erheblicher Teil der vorgesehenen Mittel durch Korruption verloren gehe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ob ihre Schilderungen im Einzelnen zutreffen, k\u00f6nnen wir nicht beurteilen. Aber ihre Entt\u00e4uschung war un\u00fcberh\u00f6rbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausgerechnet der ANC, mit dem sich die Hoffnung auf ein gerechteres S\u00fcdafrika verband, muss sich heute an der fortbestehenden Ungleichheit messen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Parlamentswahl 2024 erhielt die Partei nur noch rund 40 Prozent der Stimmen und verlor erstmals ihre absolute Mehrheit. Die politische Unterst\u00fctzung ist also l\u00e4ngst nicht mehr so selbstverst\u00e4ndlich wie fr\u00fcher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch die Frage bleibt: Warum hat es mehr als drei Jahrzehnte nach dem Ende der Apartheid nicht gereicht, um so vielen Menschen eine bessere wirtschaftliche Perspektive zu er\u00f6ffnen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Apartheid erkl\u00e4rt, woher viele Ungleichheiten stammen. Sie kann aber nicht jede politische Entscheidung und jedes Vers\u00e4umnis der vergangenen Jahrzehnte erkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">6. \u201eS\u00fcdafrika ist ein Paradies.\u201c<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/altestreuner.de\/leben\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Zwei-Welten-IMG_6702-1024x768.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-204\" srcset=\"https:\/\/altestreuner.de\/leben\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Zwei-Welten-IMG_6702-1024x768.webp 1024w, https:\/\/altestreuner.de\/leben\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Zwei-Welten-IMG_6702-300x225.webp 300w, https:\/\/altestreuner.de\/leben\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Zwei-Welten-IMG_6702-768x576.webp 768w, https:\/\/altestreuner.de\/leben\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Zwei-Welten-IMG_6702-1536x1152.webp 1536w, https:\/\/altestreuner.de\/leben\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Zwei-Welten-IMG_6702-2048x1536.webp 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja. F\u00fcr uns war es das in vielerlei Hinsicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir haben Elefanten im Regen beobachtet, sind durch gro\u00dfartige Landschaften gefahren, haben wundersch\u00f6ne K\u00fcsten erlebt und in Unterk\u00fcnften gewohnt, in denen es uns an nichts fehlte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entlang der Garden Route sahen wir herrliche Villen, gepflegte Anwesen und Wohnanlagen, in denen es sich zweifellos gut leben l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir haben diese Reise genossen. Sehr sogar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber gerade deshalb haben uns die Gegens\u00e4tze so besch\u00e4ftigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwischen den Villen und den Townships. Zwischen den Kindern, die auf Lebensmittelspenden angewiesen sind, und den Menschen hinter hohen Mauern. Zwischen dem Reichtum an Bodensch\u00e4tzen und den Tagel\u00f6hnern am Stra\u00dfenrand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht haben wir manches auch deshalb besonders bedr\u00fcckend empfunden, weil uns w\u00e4hrend der Reise gro\u00dfe pers\u00f6nliche Sorgen begleiteten. Eberhards Gesundheitszustand verschlechterte sich, und schlie\u00dflich erreichte uns in S\u00fcdafrika die Nachricht von seinem Tod. Das hat unsere Reise und sicherlich auch unseren Blick auf manches ver\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir sind nicht nach S\u00fcdafrika gereist, um die Probleme dieses Landes zu l\u00f6sen. Und wir ma\u00dfen uns auch nicht an, nach einigen Wochen zu wissen, wie das gelingen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber wir haben genug gesehen, um manche Erkl\u00e4rungen nicht mehr einfach hinzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht m\u00fcssen wir dabei auch selbstkritisch sein. Wir haben viel \u00fcber die Menschen gesprochen, aber zu wenig mit ihnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und deshalb geht uns ein Satz von William noch immer nicht aus dem Kopf:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u201eDie Schwarzen wollen so leben.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht sollten wir sie erst einmal selbst fragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unterwegs an einem Homeland vorbei. William erkl\u00e4rte uns, warum die Menschen hier leben wollen. Wir hatten unsere Zweifel.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":201,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"site-sidebar-layout":"default","site-content-layout":"","ast-site-content-layout":"default","site-content-style":"default","site-sidebar-style":"default","ast-global-header-display":"","ast-banner-title-visibility":"","ast-main-header-display":"","ast-hfb-above-header-display":"","ast-hfb-below-header-display":"","ast-hfb-mobile-header-display":"","site-post-title":"","ast-breadcrumbs-content":"","ast-featured-img":"","footer-sml-layout":"","ast-disable-related-posts":"","theme-transparent-header-meta":"","adv-header-id-meta":"","stick-header-meta":"","header-above-stick-meta":"","header-main-stick-meta":"","header-below-stick-meta":"","astra-migrate-meta-layouts":"default","ast-page-background-enabled":"default","ast-page-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"ast-content-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-4)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"var(--ast-global-color-4)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"var(--ast-global-color-4)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-198","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/altestreuner.de\/leben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/198","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/altestreuner.de\/leben\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/altestreuner.de\/leben\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/altestreuner.de\/leben\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/altestreuner.de\/leben\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=198"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/altestreuner.de\/leben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/198\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":205,"href":"https:\/\/altestreuner.de\/leben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/198\/revisions\/205"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/altestreuner.de\/leben\/wp-json\/wp\/v2\/media\/201"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/altestreuner.de\/leben\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=198"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/altestreuner.de\/leben\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=198"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/altestreuner.de\/leben\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=198"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}